Tradition

Tradition seit fast 550 Jahren

 

Der Beckumer Karneval hat eine lange Tradition!

 

An den tollen Tagen wird die Stadt buchstäblich vom närrischen Bazillus in den Bann gezogen. Es denkt dann kaum jemand daran, dass die Geburtsstunde des Püttstadt-Karnevals schon einige Jahrhunderte zurück liegt.
Bereits 1275 wird in Beckum die "Schellenkappe" (Narrenkappe) erfunden, mit der Kaiser Sigismund I. bei seinem Besuch vieltausendstimmig begrüßt wird. Daraufhin bekommen die Beckumer vom Kaiser das alleinige Recht verliehen, während der Fastnachtstage die Schellenkappe tragen zu dürfen. Diese Geschichte, die 1834 die Münsteraner Karnevalsfreunde unter Mithilfe des Medizinalrates Pellengahr - geformt in und durch Beckum - erfinden, soll an die ruhmreichen "Beckumer Schildbürgerstreiche" erinnern.
Diese Jahreszahl darf jedoch nicht ganz ernst genommen werden. Sie hat aber für das Alter der Beckumer Narretei einen "eminent-symbolhaften Charakter"!


Im Jahre 1467 wird die "Beckumer Bruderschaft der Bauknechte" erstmals erwähnt. Diese Vereinigung der Ackerbauknechte führt neben dem uralten Brauch der Heischegänge auch Fastnachtsumzüge durch. In einer Beckumer Polizeiordnung (Wilkor) von 1533 wird über den Fastnachtszech berichtet, den Gildegesellen nach dem Heischegang durchgeführt haben. Das Beckumer Schmiedeamt legt 1549 in den Statuten eine Regelung für die Fastnachtsfeier der Gesellen fest, ebenso 1576 das Krameramt. 1614 führen die Metzgergesellen einen Fastnachtszech durch, der von den Bäckergesellen gestört wird, die dafür "in Strafe geschlagen" werden. Rechnungen des Schreineramtes über Fastnachtsfeiern (1614-1616) liegen noch heute vor.
Vom 30-jährigen Krieg (1618-48) an bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts herrscht Stillstand im fastnachtlichen Geschehen von Beckum. Dann zeugen Verordnungen und Verbote der Fürstbischöfe (ab 1732) vom wieder aufkommenden Fastnachtstreiben. Durch die Französische Revolution (1789) und die folgenden Eroberungskriege Napoleons wird 1808 der Zunftzwang im Königreich Westfalen aufgehoben und die Berichte über Fastnachtsfeiern der Zünfte (Ämter) brechen plötzlich ab. Jetzt (ab 1823) treten die fastnachtlichen Feiern der Bauknechte wieder in den Vordergrund.


1825 wird Beckum im Kölner "Karnevals-Almanach" (das Wort "Karneval" wird nicht vor 1699 auf die deutsche Fastnacht angewendet; in Köln erst um 1780; in Beckum seit 1862) als Schildbürgerstadt erwähnt und der Beckumer Stadtkommandant "General Reißaus" nimmt am Kölner Fastnachtsumzug teil (das Wort "Rosenmontag" bürgert sich in Köln ab 1831 ein und verdrängt die Bezeichnung "Fastnachtsmontag"; in Beckum: ab 1890).
Durch die alte Beckumer Fastnachts-Tradition, die humorvollen "Schwankgeschichten" und der aufkommenden Honoratioren-Fastnacht (etwa ab 1825) finden Paderborn (1828), Köln (1831) und Münster (1833 und 1834) in Texten, Gedichten und Liedern die "Narrenstadt" äußerst erwähnens- und für Einladungen empfehlenswert.
1837 werden Ackerknechte aus dem Kirchspiel Beckum zu Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie das Fastnachtstreiben am Aschermittwoch fortgesetzt haben. Als Folge der 1848 in Paris stattfindenden Revolution, welche sich schnell mit demokratischen Ideen über die Staaten und Länder Europas verbreitet, beginnt in Beckum, nach dem langjährigen Honoratioren-, ein allgemein bürgerlicher Karneval, mit der Gründung von Karnevals-Vereinen (1850: "Fastnachts-Comitee von Beckum an der Bummelbiäcke"). 1860 wird die Karnevals-Gesellschaft "Einerlei" gegründet (ihr Emblem ist der "Prinzipien-Bock"), die am 3. März 1862 den ersten Karnevalsumzug durchführt. In den 60er Jahren erscheinen weitere Karnevals-Vereine: "Carnevals-Comitee" (1862), "Eintracht" (1865) und "Fumfam" (1869); in den 80ern: "Fidelio" (1881), "Carneval" (1881), "Holderdidei, ich gehör' auch dabei" (1884), "Das närrische Comitee an der Pumpe" (1884) und "Die Vollzähligen" (1886), die seit 1886 den "11.11." nach Kölner Vorbild einführt.

 

Den ersten größeren Rosenmontagszug veranstaltet 1890 die im Jahre 1886 gegründete Gesellschaft "Wir wissen's ja". Erste Bilder eines Rosenmontagszuges liegen von 1893 vor und ein Jahr später erscheint die erste "Rosenmontags-Zeitung" (ab 1965: "BEROZ"). 1895 besteht in Beckum der "größte Carnevalszug Westfalens" aus 19 Gruppen mit 9 Wagen. Nach 1899 kommt der Karneval zum Erliegen, bis 1909 die Karnevalsgesellschaft "Na, da wär'n wir ja" gegründet wird. Im Nordenviertel der Stadt gründet sich im selben Jahr der Närrische Verein "Nordpol".

 

Bis zum Ersten Weltkrieg 1914 werden von der KG "Na, da wär'n wir ja" und vom NV "Nordpol" regelmäßig eigene Rosenmontagszüge veranstaltet und Rosenmontags-Zeitungen herausgegeben. Danach scheitert die Durchführung großer Umzüge am Widerstand der Regierungspräsidenten. So halten in den 20er Jahren nur die Bauknechte ihren altgewohnten Umzug am Rosenmontag ab, und kleine inoffizielle Aufzüge der närrischen Gemeinschaft "Kärls, lot us tosammenhollen" (gegr.: 1921/22) und der "Freiwilligen Feuerwehr" erscheinen hin und wieder.
"Die Tempelwache" (gegr.: 1924/25) veranstaltet 1933 unter dem Motto "Wir kurbeln an" den ersten Rosenmontagszug nach dem Ersten Weltkrieg. Unter ihrer Leitung wird am 13. Januar 1934 die Karnevalsgesellschaft "Na, da wären wir ja wieder" gegründet, der buckelnde schwarze "Kater Rumskedi" als Symbolfigur des Beckumer Karnevals vorgestellt und "Rumskedi-Helau" als Schlachtruf gewählt. Das Motto der neuen KG lautet: "Rumskedi, dao schitt de Katte in't Häcksel". Ab dann werden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wieder größere Rosenmontagszüge durchgeführt.

 

1934 gründen sich die Karnevalsgesellschaften "Uns geht die Sonne nicht unter" (Neugründung: 1997) und "Ei kike da, Westfalia" und 1935: "Blaues Viertel" (ab 1958: "Altes blaues Viertel"). 1936 wird die Prinzengarde "Rot-Weiß" aus der Taufe gehoben. Der Zweite Weltkrieg unterbricht das kulturelle Leben in der Stadt, und so fallen die offiziellen Karnevalsfeiern und die Rosenmontagszüge von 1940 bis 1945 folgerichtig aus.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet 1946 der "Gesellenverein" ("Kolpingsfamilie") die erste Karnevalsfeier und 1947 feiern der "Narrenpütt" (gegr.: 1947) und der "Turnverein-Beckum Wassersportabteilung". 1948 gründet sich die Gesellschaft "KAB" und der "Jugendbund des kath. Deutschen Frauenbundes" (1948) wie die "Beckumer Spielvereinigung" (1949) laden zu Feiern ein. 1949 führt der "Gesellenverein" den ersten Nachkriegs-Rosenmontagszug durch. Seit 1950 tritt die KG "Na, da wären wir ja wieder" als Dachgesellschaft auf und veranstaltet von nun an die "Prunksitzung", den "Rosenmontagszug", den "Klingel-Dienstag" und den "11. im 11.".

 

1955 werden die KG "Außer Rand und Band" und 1957 der Fanfarenzug "Weiß-Rot" gegründet (später: Fanfarencorps "Weiß-Rot"). In diesem Jahr folgt die Einweihung der prunkvollen Prinzenkette. 1959 wird der erste "Kinder-Karnevals-Umzug" von der KG "Ei kike da, Westfalia" durchgeführt und seit 1972 veranstaltet diese KG eine "Kinder-Karnevals-Sitzung" auf der das neue Beckumer "Kinderprinzen-Paar" proklamiert wird. 1960 gründet sich die KG "Nuckelpinne" und 1965 "Das närrische Oberhaus" (karnevalistische Heimat der Ex-Prinzen und -Präsidenten).

 

Gründungen der KGs: "Grün-Weiß" (1966), "Kolping" (1970), KC "Heiterkeit" (1971), "Schildbürger" (1973), "Beckumer Püttspatzen" (1975), "Wir vom Schienenstrang" (1978), "Biäkem lot gohn" (1980) und "Die Heimatlosen" (1980).

 

1980 findet der erste Donnerstags-Auftritt der "Beckumer Straßenmusikanten" statt. 1982: Gründung der KG "Stichelbach". Zum Jubiläum "125 Jahre Beckumer Rosenmontagszüge" wird 1987 ein Karnevalsdenkmal, vom Künstler und verdienten Karnevalisten Karl Heinz Hellmann angefertigt, auf der Oststraße eingeweiht.

 

1988 wird die KG "Wat'n Malheur" gegründet, 1991 die KIG "Die Roländer", 1992 die "Alte Beckumer Stadtwache" und 1999 "Der närrische Hofrat" (karnevalistische Heimat der Ex-Hofmarschälle) und die KG "Die mit dem Kater tanzen". Der "Weiberfastnachts-Umzug" kann seit dem Jahr 2000 jährlich auf einen riesigen Erfolg zurückblicken.

 

Reinhard Habrock präsentiert 2000 die erste CD mit Beckumer Karnevalsliedern und Ludger Wößmann gibt 2003 die erste Auflage seines Buches "Karnevals-Chronik von Beckum" heraus.

 

Im Jahr 2003 gründet sich die KG "Sandkuhle" und seit 2005 verfügt die Beckumer Karnevalsgeschichte im Stadtmuseum über einen eigenen Karnevalsraum.
Dem Leser wird aufgefallen sein, dass sich von Jahr zu Jahr immer mehr Beckumer in den Karnevals-Gesellschaften, bei freiwilligen ehrenamtlichen Arbeiten, für Firmen-Feiern oder in einzelnen Gruppen für die karnevalistische Idee engagieren, was sich in der Qualität und Quantität der närrischen Darbietungen bei den Vereins-Feiern, wie z.B. auch bei den Aufführungen in den Kindergärten und bei den Senioren-Nachmittagen, bemerkbar macht.

 

Der "Rosenmontagszug" wird demzufolge immer größer, länger und bunter und am "Klingel-Dienstag" haben sich die "närrische Ratssitzung" und der "Sternmarsch" der Karnevals-Gesellschaften zum Marktplatz zu einer Institution entwickelt.
Das gibt es eben nur in Beckum! -

"Rumskedi-Helau"!

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